April 25, 2021

#2 Indie Pop Update


Der Musiker Willi Leinen und der Journalist Benjamin Restle führen durch eine Podcast Folge mit der vollen Ladung Indie Pop. Mit an Board sind Roland Meyer de Voltaire aka Schwarz,  Kenichi & The Sun,  Jono McCleery und ZUSTRA.
Besonderes Highlight der Folge ist eine Live Akustik Session von Schwarz in unserem Studio.
Die Playlist zur Folge findet ihr auf Spotify!
Außerdem würden wir uns freuen, wenn ihr unsere Website besucht und eine Review da lasst.
Dort könnt ihr auch Audio Nachrichten hinterlassen,  die wir dann sogar eventuell in unsere nächste Folge einbauen werden.
https://www.fundkistepodcast.de/
Wie immer könnt ihr uns dort auch finanziell mit einem digitalen Kaffee unterstützen.
Der direkte Link ist folgender:
https://ko-fi.com/fundkiste
Vielen Dank an Johannes von Feinklang Mastering für Mix und Master der schwarz live Session!
Wir wünschen viel Spaß beim Hören,
Willi & Ben



 

Support the show (https://ko-fi.com/fundkiste)

Transcript

00:20

Willi: Jo, willkommen zurück zu unserer zweiten Folge heute über Indie-Pop.

 

00:00:25

Ben: Aber zunächst ein großes großes Dankeschön an euch alle. Wir wir sind ziemlich begeistert, wie viele Leute unsere erste Folge zu Jazzmusik gehört haben. Wir haben es sogar in die Apple Podcast Charts geschafft. Das ist nicht ohne. Also vielen vielen Dank und bleibt dran und bleibt uns treu. Und jetzt weiter mit Indie-Pop. Und da haben wir ein paar richtig coole Leckerbissen für euch. In dieser Folge.

 

00:00:49

Willi: Und zwar Roland Meyer de Voltaire mit seinem Projekt Schwarz. Der ist sogar live in unserem Wohnzimmer und spielt den Song Home in einer Akustik Version für uns.

 

00:00:58

Ben: ziemlich cool. Außerdem haben wir Kenichi and the sun, Juno MC Cleery und ein ziemlich amüsantes Interview mit Zustra , wo es unter anderem um Lena Meyer-Landrut geht. Aber mehr dazu später. Aber lass uns erst mal anfangen mit Roland Meyer de Voltaire. Ich hab gehört und gelesen, dass der früher Frontmann war von dieser Band Voltaire her eine deutschsprachige Indie Band und die wurde wohl total gehypt. Was genau ist da die Geschichte gewesen?

 

00:01:25

Willi Genau diese Band. Voltaire gab's in den 2000ern und die hatten wahnsinnige Vorschusslorbeeren vom Feuilleton bekommen, vom Rolling Stone und so weiter, dass sie die nächste deutschen Radiohead sind. So ungefähr. Das ist eine Ansage. Und über diesen Roland Meyer de Voltaire ist gerade eine Dokumentation erschienen. Und zwar heißt wie ein Fremder eine deutsche Pop Musikgeschichte. Und diese Dokumentation ist von Aljoscha Pause gedreht worden, der unter anderem auch schon eine Doku über den Fußballstar Mario Götze gemacht hat und er hat Roland Mayer, der Voltaire acht Jahre lang begleitet. Also man stelle sich mal den Aufwand vor. Und herausgekommen ist eine sehr ehrliche und schonungslose Einsicht in das Popmusik Business. Berichtet wird sozusagen vom Fall eines potentiellen Popstars und dessen Weg zurück zum Erfolg. Könnte man so zusammenfassen.

 

00:02:11

Ben: Lass uns doch mal vielleicht kurz ein Lied von dieser Band hören. Von Voltaire. Wie wär's mit zu schön?

 

00:02:16

Willi: Ja. Hören wir mal rein.

 

00:08:08

Willi: Wahnsinn! Ich finde den Radiohead Vergleich gar nicht so schlecht. Krasseste den Durchbruch nie geschafft haben. Auf jeden Fall war Roland hier und wir haben über sein Leben gesprochen und auch über sein neues Projekt Schwarz. Und als erstes wollte ich aber von ihm wissen, wie es dazu kam, dass eine Doku über ihn gedreht wurde.

 

00:08:26

Roland Meyer de Voltaire: Die Idee von Aljoscha kam eigentlich in so einer Übergangszeit, als ich gerade mit wollte her. Wirklich? Ja. Also wirklich total feststeckte und es gar nicht mehr weiterging für mich. Und ich habe gerade angefangen hatte, neue Stücke auf Englisch zu schreiben, die dann später zu schwarz geworden sind. Es war tatsächlich dann auch die ersten Stücke, also vier Stücke, die ich damals geschrieben habe, waren tatsächlich dann auch welche, die ich dann in den Jahren drauf. Also dann ab 2017/18 irgendwann angefangen habe zu veröffentlichen.

 

00:08:59

Willi: Wie war denn das Gefühl, das Cover einer Doku über sich selbst auf Netflix zu sehen?

 

00:09:03

Roland Meyer de Voltaire: Ja, das war natürlich irre. Also ich meine, ich hatte das ja ein bisschen in so einer, in so einer light Form. Insofern, als dass wir jetzt nicht die große Kino Premiere mit Tamtam und so irgendwie hatten, sondern dass es wirklich dieses jahr in quasi lockdown Zeiten in diesem mini immer in diesem mini auto premiere irgendwie gab. Und dann vergingen ja nochmal ein paar Monate bis es dann auf Netflix kam. Und dadurch ist es vielleicht so ein bisschen ein bisschen fließender gewesen. Aber es ist natürlich für mich total irre gewesen. Also überhaupt auch mich weiß ich nicht auch in Zeitungsartikeln zu lesen, in der Zeit und bei Welt am  Sonntag und Musikexpress und Rolling Stone und irgendwie Wahnsinn.

 

00:09:47

Willi: Du hast dir über Jahre an deinem neuen Projekt schwarz gearbeitet, wie man in der Doku sehen kann. Gab es zwischendurch Zweifel und hatte die Doku geholfen am Ball zu bleiben?

 

00:09:56

Roland Meyer de Voltaire: Es gab immer wieder Zweifel darüber, wie ich genau weitermache. Und wenn man die Doku verfolgt, dann merkt man ja auch ein bisschen, dass es immer wieder so auch Nachjustierung und um im Orient leichte Umorientierung irgendwie gab. Und in den Jahren davor war das auch schon so. Ich würde aber sagen, das hängt einfach damit zusammen, dass ich wirklich den totalen Neuanfang gemacht habe. Hätte ich irgendetwas gemacht, bei dem ich auf Vorwissen von Voltaire gut aufbauen hätte können. Dann wäre es wahrscheinlich sehr viel linearer gewesen. Aber so war es halt irgendwie so okay. Ich weiß, irgendwie, ich möchte elektronischer Arbeit mit Streichern arbeiten. Das waren Elemente, die kannte ich eben schon aus den Filmmusik Arbeiten der letzten Jahre. Aber wie genau? Und dann auf Englisch Sinjar, weil ich eigentlich Englisch immer die schönere Singen Sprache für sich fand, auch wenn ich natürlich viel präziser mich im Deutschen ausdrücken kann. Das muss ich schon zugeben. Aber auch, dass dann wie dann genau das. Da hab ich so viel dran probiert und nachjustiert und nochmal verworfen. Und die Doku war vielleicht ein bisschen sowas wie ein. Also sie war natürlich schon manchmal Motivation, aber manchmal auch manchmal, was auch so ein bisschen, ein bisschen komisch im Sinne von was passiert da eigentlich? Und von dem, was wir jetzt hier gerade machen dem Moment irgendwie drehen was. Also wie wird das, was wird damit eigentlich später passieren? Irgendwie. Also ich hab schon versucht, immer so gut es geht Aljoschas Rat oder dringende Bitte an mich zu beherzigen, so wenig wie möglich über das später nachzudenken, während wir gerade drehen. Aber ich hab mir dann natürlich über die Jahre immer wieder Gedanken gemacht, zogen auch zwischen irgendwie mal was, wusste man, wo das dreht und dann verging wieder ganz viel Zeit und so bis zum Zeitpunkt rauskam. So hm wie? Wie wird das eigentlich angenommen? Und verstehen das Leute?

 

00:11:55

Willi: du meine persönliche Lieblingsstelle im der Doku ist das erste Konzert als Schwarz in einer Akustiker Besetzung mit Piano und Violine. Es hat irgendwie so eine unglaubliche Energie und Direktheit. Warst du nervös, wie das Konzert ankommen würde und wie waren die Reaktionen darauf?

 

00:12:09

Roland Meyer de Voltaire: Da das ja der allererste Auftritt war, war ich wirklich sehr aufgeregt. Ich hatte aber auch ein sehr starkes Gefühl irgendwie dabei. Also ich weiß nicht so, auch wenn wir gar nicht. Noch gar nicht lange zusammen spielten zu der Zeit und die beiden auch irgendwie aus ganz anderen Richtungen kam, hatte ich irgendwie relativ schnell ein starkes Gefühl, wie wir das machen. Und dann haben wir auch ein paar Sachen ausprobiert. Aber dann hat sich das relativ schnell auch gut angefühlt und dadurch hatte ich so eine gewisse Sicherheit. Aber klar, ich war ja übrigens auch so aufgeregt, dass ich eigentlich wirklich niemanden aus der Industrie da haben wollte. Ich hab ja nicht umsonst irgendwie ein kleines Hinterzimmer Ding im Wedding irgendwie gewählt. Also ein sehr schönes kleines Hinterzimmer Ding. Aber halt eben nix. Irgendwie. Hier in Kreuzberg, in Friedrichshain oder so. Wo die ganzen Leute halt irgendwie rumrennen und es im Zweifel auch irgendwie eher eher noch mitbekommen. Und ich habe gesagt, das eher so der testlauf für mich und Freunde um mich mal so ranzulassen.

 

00:13:07

Willi: Danach ging es ja gut ab. Also eines der Highlights. Du hast ja Schiller auf seiner Deutschland-Tour begleitet und sogar im Iran und im Iran hat man deine Auftritte kurzerhand verboten. Erzähl mal kurz, wie es dazu kam.

 

00:13:18

Roland Meyer de Voltaire: Im Iran ist es ja sehr. Ja, schon in weiten Teilen einfach sehr repressiv. Natürlich, das weiß man so, aber es geht ja ein Großteil der Bevölkerung vorbei. Also die Leute da, zumindest die, die man jetzt so in Teheran kennenlernt. Also viele von denen, die. Ich glaube, die sind uns sehr viel näher, als wir das irgendwie so denken würden. Von hier aus so. Die müssen halt eben nur gucken, wie sie damit umgehen. Aber die sind mitunter ja auch teilweise sehr mutig, die Leute und allein die Sache. Dass Christopher Schiller da seit ein paar Jahren immer wieder hinfährt, ist schon irgendwie so ein sehr spezielles Ding, was irgendwie glaub ich auch von vielen nicht so gerne gesehen wird, aber auf der inneren Seite halt viele, also viel Macht haben, da glaub ich sehen das nicht so gerne. Aber die Leute da sind halt unfassbar dankbar, dass einfach mal jemand sich das traut. Und Christopher hatte dann halt die Idee, jetzt das erste Mal mit einem Sänger auch rüber zu gehen und das war sehr aufwendig. Vorher hat mich glaub ich ein halbes Jahr vorher schon mal gefragt, ob ich mir das vorstellen könnte, da hat man irgendwie die Texte in Farsi übersetzt und irgendwie sich genehmigen lassen, dass da keine problematischen, fürs Regime problematischen Botschaften irgendwie vermittelt werden und so. Und erst dann hat man mir halt irgendwie was. Ein Flugticket und Hotel und alles irgendwie besorgt. Und dann sind wir da hin geflogen, hatten irgendwie paar Tage noch Proben. Vorher vor dem ersten Konzert und am Tag vor dem ersten Konzert ging dann ein kurzer Anruf ein, bei dem dann einfach gesagt wurde So ne, finden wir irgendwie. Also wie der genaue Wortlaut war, weiß ich natürlich nicht. Ich hab nur mit dem Veranstalter danach gesprochen und er hat gesagt Tut mir leid, haben aber gesagt, die wollen das nicht. Die haben uns für eine Genehmigung gegeben. Aber wenn wir das jetzt machen, dann kriegen wir wirklich Probleme und können hier nicht die ganze Veranstaltung gefährden. Und deswegen tut es mir unendlich leid, denn er hat mich in den Arm genommen, der war richtig mitgenommen. So, dann konnte ich eben nicht auftreten. Irgendwie war sehr, sehr schade. Ich hab's Beste draus gemacht. Ich hab dann einen Studenten dort kennengelernt, Madi und der hatte dann irgendwie Lust mit mir ein Musikvideo zu drehen. Und dann haben wir haben wir da gedreht und so ein, zwei Tage und haben dann, als ich wieder zurück in Deutschland war, über die Monate dann auch den Schnitt von dem Video über die Ferne gemacht und da was für mich interessant, weil ich da auch nochmal ein bisschen aus einer näheren Distanz irgendwie nochmal mitbekommen habe. Keine Ahnung. Dann gab's irgendwie auf einmal eine drastische Spritpreis Erhöhung, worauf es hin Unruhen im Land gab, woraufhin man das Internet dichtgemacht hat und irgendwie Nachrichten von uns irgendwie. Wir konnten uns SMS schreiben oder telefonieren, aber jegliche Mail oder Nachrichten ging irgendwie 14 Tage nicht durch. Das heißt, wir konnten also auch 14 Tage nicht schneiden und irgendwie war das für mich ja nochmal so eine. Ich weiß nicht nochmal. Auch wenn ich dann nicht mehr da vor Ort war, nur bis mir so ein Gefühl dafür bekommen habe, wie unruhig dieses Land teilweise leider einfach ist.

 

00:16:28

Willi:du veröffentlichst ja auch deine neue Single Sunscreen. Das geht ja so ein bisschen um Social Media Kritik auch ; kannst du da vielleicht kurz was zu sagen?

 

00:16:37

Roland Meyer de Voltaire : Ja, ich bin mit Social Media so sehr ambivalent. Also ich poste gar nicht so irre viel. Aber ich lese wahnsinnig viel und wie ja wahrscheinlich auch viele Leute verfolge ich das sehr intensiv. Oder? Oder gibt mir das sehr nahe, wie irgendwie sich Wirklichkeit und auch Unwirklichkeit teilweise im Netz abbildet und wie sich da Lager bilden, wie irgendwie eine Gruppe eine andere diskreditieren will um jeden Preis und und dazwischen irgendwie immer ganz viel Füllstoff mit, ja mit Quatsch und leichten, witzigen Sachen. Und irgendwie hab ich dann gedacht, was für ein was für ein Wahnsinn eigentlich wie das alles so parallel existiert.

 

00:17:22

Willi: Erzähl uns doch kurz was zu deinem Song Home, den wir gleich in der Akustik Live-Version hören werden.

 

00:17:27

Roland Meyer de Voltaire: Home  ist ein Lied zu einem wie ich finde grundsätzlichen Thema. Es gibt ja im Deutschen das Wort Heimat. Das ist nicht so ganz das Gleiche. Ich finde, Heimat ist schon immer sehr viel besetzt, während Home halt ein sehr viel weiterer Begriff ist. Aber nennen wir es meinetwegen Heimat und da hab ich irgendwie als Kind schon sehr früh gemerkt so, man kann sich halt in einer vertrauten Umgebung wahnsinnig fremd fühlen oder in einer unvertrauten Umgebung sehr vertraut, solang irgendwie die Verbindung mit mit den Menschen entweder da oder zumindest mit ein paar Leuten, mit denen man da ist, irgendwie gut ist. Ich bin mit meinen Eltern teilweise wegen des Berufs meines Vaters als Bauingenieur ein bisschen herumgekommen. So waren wir zum Teil in Irland, sehr lange in Moskau. Später nochmal ein ganz bisschen in China, in Peking. Und jedes Mal habe ich irgendwie gemerkt, wenn ich mit der Familie sind, da wo die Familie ist, ist halt irgendwie dann doch zuhause und deswegen handelt das Lied davon. Die implizite Aussage davon ist für mich halt auch, dass sich jeder eigentlich überall zuhause machen kann, wenn man ihn lässt und wenn er sich lassen kann oder sie sich lassen kann. Ja, das vielleicht auch mal irgendwie an die Leute, die ja irgendwie meinen sagen zu können, wer sich wo ein Zuhause machen darf oder nicht.

 

00:22:56

Willi: Wunderschöne Akustik Version des Songs Home von Schwarz. Das haben wir hier im Wohnzimmer aufgenommen vor ein paar Tagen. Ich muss dazu sagen, das war in one take Recording. Also wir haben nur einen Versuch gebraucht. Die Songs findet ihr auch auf allen Plattformen. Diese sind nicht akustisch eigentlich, sondern mehr elektronisch. Also wenn ihr euch da interessiert, schaut mal da vorbei. Außerdem die Doku „wie ein Fremder- Eine deutsche Popmusik Geschichte“ findet ihr auf Netflix und auf 3sat jetzt noch einen Monat in der Videothek.

 

und 00:23:23

Ben: Und damit kommen wir zu Kenichi and the sun aka Katrin Hanna. Deren Album White Freier kam raus im letzten Herbst, also Herbst 2020 und ihre Musik gefällt mir supergut. Dies super sphärisch und irgendwie experimentell und trotzdem eingängig. Ihre Stimme ist super hoch und durchdringend. Also total. Also wirklich etwas ganz Besonderes. Und ich würde sagen zur Einstimmung hören wir mal direkt ein Lied von ihr, nämlich Lost Mind.

 

00:29:04

Willi: Richtig schöne Stimme und ich liebe dieses verspielte outro, muss ich ganz ehrlich sagen. Ben, wie bist du auf sie gekommen?

 

00:29:10

Ben: In der guten alten Pre Corona Zeit war ich auf der Internetseite vom Silent Green. Das ist ein Veranstaltungsort im Wedding und da stand sie im Line Up. Und dann fand ich den Namen so ungewöhnlich Kenichi, Kenichi and the sun und hab mir das angehört und war halt hin und weg. Katrin Hanna ist übrigens total vielseitig. Sie ist ausgebildete Schauspielerinnen, hat aber auch Malerei studiert in Stuttgart und war dann in Berlin an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee. Und sie hat mir gesagt, dass sie ihn Mustern sieht und arbeitet. Also das Visuelle, Künstlerische hat auch einen Einfluss auf ihr musikalisches Schaffen. Und sie sagte, sie arbeitet in Schichten und sie verbindet auch musikalisch immer verschiedene Elemente miteinander. Total interessant, wie sie das so verknüpft und sie sagt In einer E-Mail hat sie mir geschrieben hat: „Wenn ich an Musik denke, sehe ich oft Farben und Formen und umgekehrt. Und wenn ich an Kunst denke, höre ich oft Klang und Paterns“. Und zu guter letzt wollte ich natürlich auch von ihr wissen, wie sie so irgendwie mit dieser Pandemie umgeht.  Oder Willi. Das muss irgendwie schwierig sein für Musiker?

 

00:30:12

Willi: Ja, das betrifft uns alle sehr hart.

 

00:30:15

Ben: Ja. Und ich dachte, sie ist super traurig und sagt, sie kann gar nicht den Moment abwarten, wo es endlich wieder losgeht und Konzerte spielen dürfen usw.. Aber sie schrieb dann einfach sie versucht einfach jeden Tag das Beste draus zu machen und nicht an später zu denken. Was ich irgendwie auch so eine ganz coole, optimistische Denke finde, könnte ich mir eine Scheibe von abschneiden, mir reicht es bereits langsam. Ich hätte gerne wieder Konzerte. 

Und damit kommen wir zu Johnny MC Cleery, einem Briten, der wirklich sehr schönen Indie Folk macht. Das ist vielleicht so ein bisschen quasi so ein Gegenprogramm zu der Musik, die wir eben gehört haben. Ein bisschen positiver. Und sein Album kam raus im November 2020. Und vielleicht hören wir da ganz kurz mal rein in das Lied Follow.

 

00:35:26

Willi: Ja geil, das stimmt mich auf jeden Fall super auf den Frühling ein

 

00:35:30

Ben: unbedingt, unbedingt. Sehr schöne Musik. Johnny hat mir verraten, dass er dabei ist, ein neues Album aufzunehmen. Das hat er geschrieben. Und sie wollen das jetzt im Frühling aufnehmen. Also kann man gespannt sein auf neues Material demnächst. 

Und damit kommen wir zu Zustra.

 

00:35:49

Willi: Richtig, unser letzter Künstler dieser Folge bzw. Künstlerin Arianna Zustra.  Sie habe ich schon mehrfach auch in dem Vorgänger Podcast gefeatured. Deswegen haben wir da sozusagen auch schon eine gewisse Verbindung.

Genau. Und ich finde ihre Musik einfach super interessant und sehr facettenreich. Es ist so Dream Pop, ein bißchen dunkel, aber sehr sphärisch kann mir das auch auf sehr großen Bühnen sehr gut vorstellen.

 

00:36:19

Ben: Super super Video auch zu dem zu der Single, die wir später spielen werden.

 

00:36:24

Willi: Absolut. The Dream of Reason heißt der Song und Ben hat mit ihr ein Interview geführt. Das haben wir vor ein paar Wochen aufgezeichnet und das ist auch sehr unterhaltsam.

 

00:36:35

Ben: Dein Album The Dream of Reason kommt im Herbst diesen Jahres raus. Was hat es mit dem Titel auf sich?

 

00:36:41

ZUSTRA: Der Titel bezieht sich auf eine Radierung von Goya, die heißt Der Schlaf der Vernunft gebiert Ungeheuer oder Der Traum der Vernunft gebiert Ungeheuer. Und das ist eines meiner liebsten Bilder oder grafischen Werke. Ich habe, als ich studiert habe, nebenher in einer Kunstgalerie gearbeitet und das war ein sehr großer, schöner Raum und mit riesigen hohen Fenstern. Und in diesem Fenster neben meinem Schreibtisch hing ein Banner von diesem Motiv und ich habe das jeden Tag gesehen und jeden Tag angeschaut. Und irgendwie hat sich das so in meinen Kopf eingebrannt und es hat mich angesprochen auf eine Art, die ich nicht unbedingt genau erklären konnte, die sich aber irgendwie festgesetzt hat bis heute in meinem Kopf. Und die Thematik sowohl des Bildes als auch dieser Reihe, die Goya gemacht hat, die kapriziös haben sich irgendwie richtig angefühlt für mich. Mein. Mein Titel daraus zu ziehen. Für das Album. Weil es schon spielt. Mit mit, mit Vernunft, mit Rationalität, mit der Balance zwischen Traum und Wirklichkeit. Und all diese Aspekte, die ja jetzt wahrscheinlich zu weit führen würden. Die auch noch mit dem Bild zusammenhängen und mit der Entstehungsgeschichte und der Aufklärung und so. Aber einfach unabhängig davon finde ich das einen sehr ansprechenden Titel. Er hat gut gepasst. Ich finde, er klingt auch sehr schön auf Englisch The Dream of Reason. Die genaue Übersetzung ist The Sleep of Reason von dem Bild, aber ich fand The Dream of Reason irgendwie passender und hat hat fast so einen Reim und passt auch zum Dream Pop. Und deswegen dachte ich ja, das ist glaube ich ein ganz gutes Konzept, alles da drumherum zu spinnen.

 

00:38:41

Ben: Diese Radierung ist doch auch, finde ich, wirkt ein bisschen düster. Hast du das Gefühl, das passt dann auch ein bisschen zu deinem Sound? Also ich hatte beim Hören das Gefühl, dass es so ein bisschen düsterer Pop ist. Würdest du sagen, da gibt's auch so eine Verbindung?

 

00:38:52

Zustra: Ja, ich denke, ich denke schon, dass es das, was auch viele Leute sagen, einen Block hat geschrieben Dark Dream Pop. Also es hat sicherlich so eine Art von Fan, ja, Düsterkeit oder Melancholie oder so der Hang aus dem Alltag raus und hin zu etwas Größerem, Elegischen, was eben manchmal auch ein bisschen düster sein kann.

 

00:39:17

Ben: Du arbeitest seit geraumer Zeit auch als Musikjournalist hin. Wie ist es, Rollen zu wechseln? Wie ist es, auf einmal als Musikerin von Musikjournalisten befragt zu werden? Zur Musik? Ist das komisch? Ist das ungewöhnlich? Oder ist das vollkommen, vollkommen o.k. Und gar nichts  Besonderes, für dich?

 

00:39:35

Zustra: Es ist natürlich nochmal etwas sehr Besonderes, weil ich natürlich immer so eine innere Spaltung habe und immer auch weiß, wie es sich anfühlt, auf der anderen Seite zu sein. Weiß, wie es ist. Fragen zu überlegen oder wie man auf diese Fragen kommt und so.

 

00:39:54

Ben: Hast du musikalische Guilty Pleasures, die du hier in aller Öffentlichkeit uns verraten möchtest.

 

00:40:02

Zustra: Das Wort Guilty Pleasure ist so ist so negativ besetzt, weil eigentlich sollte doch etwas, was pleasure ist, niemals guilty sein, zumindest wenn man niemandem damit schadet. Ich überleg gerade ein guilty pleasure. Bei was fühle ich mich denn guilty, wenn ich das her. Also vielleicht. Vielleicht würde man sich wundern, wie oft ich immer wieder auf Lena zurückkomme. Zu Lena hab ich seit Jahren irgendwie so eine, so eine Hassliebe. Sie hat zwei, drei Lieder, die du da. Also die finde ich super. Also ich bin. Ich bin wirklich der größte Fan von Talken bei Stranger. Das ist so ein unglaublich gutes Lied, finde ich. Man muss daran denken, dass man glaub ich 2011, als sie damit dann beim Eurovision Song Contest war, das zweite Mal. Diese Atmosphäre, die da aufgebaut wurde, ist so gut gelungen. Und auch der Auftritt von ihr war extrem gut, fand ich. Den habe ich mir auch neulich mal wieder angeschaut. Und das Faszinierende an diesem Song ist einfach, dass der, dass der so monoton eigentlich ist, der hat zu diesen einen Bassa und dieses, der sich so durchzieht. Und dann diese, diese ganz zurückgenommenen Drums. Und dann hat diesen, also diese, diese eine Melodie und da passiert sonst halt eigentlich gar nicht viel. Also das total wenig Informationen und dann aber wie? Wie? Allein durch dieses Sounddesign. Also da sind ja wahrscheinlich einfach 100 Spuren drin von diesen ganzen Geräuschen, die so nach und nach reinkommen und die einfach so klug gemacht sind, dass du immer irgendwie am Ball bleibst, obwohl die die Grundstruktur des Songs eigentlich eben sehr gleich ist.

 

00:41:55

Ben: Vielleicht kannst du mir noch ganz kurz was erzählen zu deinem Song The Dream of Reason. Das ist ja der Titelsong von einem gleichnamigen Album. Wann hast du diesen Song geschrieben? Und was hat dich dazu inspiriert?

 

00:42:08

Speaker 1: Den hab ich geschrieben im Herbst 2019 und habe ihn im Frühjahr 2020 fertig geschrieben und die Inspiration ist für mich meine Herangehensweise oder meine Auffassung davon, dass alle Dinge miteinander verknüpft sind. Also quasi so, dass das Humboldtschen, diese Humboldtschen Aussage, dass das alles mit allem zusammenhängt. Und zum anderem bin ich ihn sehr geprägt von der Vanitas Symbolik des Barock, weil ich hatte. Ich hatte Kunst im Hauptfach, in der Schule und erinnere mich noch, wie wir das erste Mal über über Barock geredet haben oder über diese vanitas Symbolik, also dieses Memento mori. Bedenke, dass du sterben wirst und ich weiß noch, wie ich das war mit 16 oder so. Ich hatte das Gefühl, dass es das ist, das, was ich immer schon gefühlt habe. Und jetzt weiß ich, dass es etwas gibt, wo das irgendwie zusammengefasst ist. Das ist, glaube ich, schwer zu erklären. Manchmal, dass es nicht so klingt, als sei man irgendwie komplett lebensmüde, wo. Wobei es eigentlich genau das Gegenteil ist, nämlich dass die Tatsache, dass. Dass der Sinn des Lebens das Leben selbst ist sozusagen, und dass das alles, was man tut, eigentlich nur ein Zeit Erfüller ist, weil alles sowieso so random ist und so nichtig und so klein. Aber dieses kleine Leben, was man hat, das kann man sich ja versuchen so schön zu machen, wie es irgendwie nur möglich ist.

 

00:47:49

Ben: Richtig dichte Atmosphäre schon. Schon würde man gerne mal auf der Bühne sehen, da hast duRecht.

 

00:47:55

Willi: Absolut. Er sich stelle mir das auf so einer- eigentlich auf einem Festival fast vor. 

Ben: Echt?

 

00:47:59

Willi: Ja, kann ich mir vorstellen. 

Ben: Warum? Ich würde eher denken in einem Club. Ich könnte mir das irgendwie besser vorstellen. Warum auf einem Festival?

 

00:48:05

Willi Naja, ich hatte so an Freiluft gedacht und so eine riesen Bühne. Und irgendwie Sommerabend.

 

00:48:11

Ben: Ich komme so krass ins Schwärmen.

 

00:48:13

Willi: Er wäre schon echt wieder geil.

 

00:48:16

Ben: Ja, das war's mit unserer zweiten Folge. Das ging schneller als gedacht.

 

00:48:22

Willi: Ja und wir sind super dankbar. Wieder so tolle Künstler am Start zu haben. Auf jeden Fall. Also vielen Dank auch nochmal an alle Künstler, dass sie bereit waren, uns Fragen zu beantworten und zur Verfügung zu stehen. Und ihr könnt auf jeden Fall alle Infos zu diesem Podcast unter Fund Kiste, Podcast, Punkt D alles zusammengeschrieben finden. Dort findet ihr alle Folgen Hintergrundinfos zu uns und ihr könnt dort auch Nachricht hinterlassen, wenn ihr Ideen habt für Künstler, also Vorschläge und ihr könnt dort sogar eine Audio Nachricht hinterlassen. Die könnten wir dann auch im nächsten Podcast einbauen.

 

00:48:54

Ben: Genau. Also gerne Feedback, was euch gefallen hat, auch was euch nicht gefallen hat, denn wir versuchen uns immer zu verbessern. Und wenn ihr Anregungen habt Let us now.

 

00:49:06

Willi: Absolut. Und unsere nächste Folge kommt dann im Mai zum Thema Neoklassik. Da haben wir unter anderem Martin Kohlstedt. Im Interview. Da freue ich mich auch sehr drauf.

 

00:49:16

Ben: Auf jeden Fall. Das wird super. Und damit wir weiter so schöne, schöne, besondere Künstler für euch raussuchen und vorstellen können, würden wir uns natürlich auch freuen, wenn ihr uns finanziell unterstützt. Das könnt ihr auch über unsere Seite Fund Kiste Podcast Punkt D Da ist ein Link auf unsere ko-fi Seite und da könnt ihr uns quasi einen digitalen Kaffee spendieren oder sogar monatlich uns unterstützen wie ihr mögt. Wir freuen uns über die kleinsten kleinen Beträge genauso wie über Feedback.

 

00:49:47

Willi: Das wars von uns für diesen Monat. Wir freuen uns auf jeden Fall, wenn ihr fleißig teilt und weitererzählt. Über diesen Podcast. Und dann sehen wir uns im Mai wieder

 

00:49:58

Ben: Tell your friends. Tell your friends.